Dara Dino und der letzte warme Platz
Als ein eiskaltes Dino-Ei Schutz braucht, gibt Dara ihren warmen Platz frei. Doch erst gemeinsam finden die Freunde eine Lösung, die alle wärmt.

Eine Geschichte zum Vorlesen
Eine Dinosauriergeschichte für Kinder über Teilen, Rücksicht und Hilfsbereitschaft
Der Hagel erwischte Dara mitten auf der Farnwiese. Eben hatte die junge Triceratops-Dame noch versucht, einen besonders saftigen Wedel abzubeißen. Im nächsten Moment hüpften ihr kalte Körner über den Rücken, prasselten auf ihren Nackenschild und kullerten zwischen ihren drei Hörnern hindurch.
„He! Das ist mein Mittagessen!“, rief Dara.
Der Wind riss ihr den Farn aus dem Maul. Dara rannte los. Am Rand der Wiese lag die Sauna-Höhle. Darin gab es den Warmstein: eine flache schwarze Felsplatte, unter der heiße Luft aus dem Berg strömte. Der Stein war ungefähr so groß wie Dara selbst, und nach dem kalten Hagel war er der gemütlichste Platz im ganzen Dinotal.
Dara hatte Glück. Trotz des Wetters war sie die Einzige in der Höhle. Sie ließ sich auf den Warmstein plumpsen und streckte alle vier Beine von sich. „Herrlich.“

Da schlitterte Flapp in die Höhle. Der junge Flugsaurier war so nass, dass seine Flügel an ihm klebten wie ein nasser Umhang.
„Rutsch mal“, schnatterte er.
Dara zog den Bauch ein. Flapp bekam gerade so eine Ecke ab.
Dann polterte Knubbs herein, ein kleiner Ankylosaurus mit einem Schwanz, der überall mindestens eine Sekunde später ankam als der Rest von ihm.
„Platz da!“
Sein Schwanz fegte einen ganzen Haufen Steinchen weg. Rappel-rappel-rappel! Die Steinchen kullerten in alle Ecken der Höhle. „Entschuldigung“, sagte Knubbs. „Der bremst bei Nässe schlecht.“
Zuletzt erschien Luma Langhals am Eingang. Erst kam ihr Kopf. Dann sehr viel Hals. Dann noch mehr Hals. Ihr Körper blieb draußen. Für mehr Luma war die Höhle einfach zu klein.
„Ist noch was frei?“
Dara schaute auf den Warmstein. Ihr eigener Bauch lag mittendrin. Flapp klemmte an der einen Ecke. Knubbs hatte seine Schwanzspitze über den Rand geschoben. Und Luma versuchte, wenigstens ihre Nasenspitze über dem Stein unterzubringen. „Ehrlich gesagt“, sagte Dara, „liegt gerade mehr Dino neben dem Stein als drauf.“
Draußen krachte der Donner. Da rückten sie trotzdem noch ein Stück enger zusammen. Flapps Flügel lag über Knubbs’ Kopf. Knubbs’ Schwanz hing über den Rand. Lumas Hals kringelte sich durch den Eingang und einmal um die drei herum.
„Ich kann meinen Fuß nicht mehr fühlen“, sagte Dara.
„Das ist meiner“, sagte Knubbs.

☾
Da kam etwas durch den Höhleneingang gerollt. Tock. Es stieß gegen einen Stein. Tock. Es rollte weiter.
Dara sprang auf. „Ein Ei!“ Das Ei war kaum größer als eine Melone. An der Schale klebten Schlamm, Farnstücke und ein abgebrochener Zweig. Der Regen musste es aus einem Nest gespült haben.
Eine neue Windböe fuhr durch die Höhle. Das Ei rollte auf den Ausgang zu. „Nicht wieder raus!“, rief Flapp.
Er warf sich davor. Das Ei prallte gegen seinen Bauch und schleuderte ihn rückwärts in Knubbs.
Knubbs verlor das Gleichgewicht. Sein Schwanz sauste herum und traf Daras Hinterbeine. Dara kippte ganz langsam zur Seite. „Ich falle“, sagte sie.
„Wohin?“, fragte Luma.
„Das weiß ich noch nicht.“
WUMMS!
Alle drei landeten auf dem Höhlenboden. Nur das Ei stand noch. Es zitterte. Und aus seinem Inneren kam ein ganz leises: Piep.
Dara berührte die Schale mit der Nasenspitze. Eiskalt.
Alle schauten zum Warmstein. Dann schauten alle zu Dara. „Da passe ich nicht drauf zusammen mit dem Ei“, sagte Dara.
Niemand widersprach, denn es stimmte ja. Dara schaute auf den Stein unter ihrem Bauch. Er war so schön warm. Sie war als Erste hier gewesen. Sie war den ganzen Weg durch den Hagel gerannt. Draußen hüpften die Hagelkörner wie weiße Flöhe über die Wiese. Piep, machte es wieder.
Dara seufzte einmal sehr tief. Dann stand sie auf. Die Kälte kroch ihr sofort unter den Bauch. „Das Ei bekommt meinen Platz.“
Gemeinsam rollten sie es auf den Warmstein. Dara schob mit der Stirn. Knubbs hielt es mit seinem schweren Schwanz auf Kurs. Flapp zupfte Zweige aus dem Weg. Und Luma beugte ihren langen Hals darüber, damit kein kalter Wind an die Schale kam. Das Ei lag jetzt warm und sicher.
Die vier Freunde saßen zitternd daneben. „Sch-sch-schöne Lösung“, klapperte Knubbs.
Dara betrachtete den Stein. Unter dem Ei war noch ein schmaler schwarzer Rand frei. Und in der ganzen Höhle lagen Knubbs’ Steinchen verstreut. Dara legte den Kopf schief. „Vielleicht“, sagte sie langsam, „müssen wir gar nicht alle auf den Warmstein. Vielleicht muss der Warmstein zu uns kommen.“
Knubbs begriff als Erster. Mit seinem Schwanz schob er einen ganzen Haufen Kiesel auf die heiße Felsplatte.
Dara drehte sie mit den Hörnern hin und her, damit sie von allen Seiten warm wurden. Flapp packte sich die aufgeheizten Steine unter die Flügel und verteilte sie in der Höhle. Und Luma schob sie mit der Nase zu einem großen Kreis zusammen.
Dann setzten sich alle dicht um das Ei. Dara legte sich einen der Steine unter den Bauch. Flapp klemmte sich zwei unter die Flügel. Knubbs balancierte einen auf dem Kopf. Sie rückten noch enger zusammen. Lumas Hals lag wie ein dicker Schal um die ganze Gruppe. Flapp breitete die Flügel über Dara und Knubbs aus. Auf dem Warmstein wurden schon die nächsten Kiesel heiß, während die verteilten langsam ihre Wärme abgaben. Bald klapperte niemand mehr mit den Zähnen.
☾
Draußen wurde aus dem Hagel Regen. Aus dem Regen wurden einzelne Tropfen. Und irgendwann riss die Wolkendecke auf und ein heller Sonnenstrahl fiel in die Höhle.
Knack. Alle Köpfe drehten sich zum Ei. Ein winziges Loch erschien in der Schale. Dann ein zweites. Und dann schob sich eine kleine grüne Schnauze heraus. Das Dinobaby blinzelte Dara an.
„Piep“, sagte es.
„Gern geschehen“, sagte Dara.
Als sie später aus der Höhle traten, dampfte die nasse Farnwiese in der Sonne. Dara trug das Dinobaby vorsichtig zwischen ihren Hörnern. Flapp suchte aus der Luft nach dem Nest. Luma hielt Ausschau über die Baumkronen. Und Knubbs räumte mit seinem schwer zu bremsenden Schwanz den Weg frei.
Hinter ihnen lag der Warmstein leer in der Höhle. Trotzdem war keinem von ihnen mehr kalt.

Ein Gedanke zum Mitnehmen
Ein warmer Stein wärmt einen Dino. Rücksicht und Freundschaft wärmen alle.
Dara gibt nicht nur etwas ab: Gemeinsam mit ihren Freunden verwandelt sie den einen warmen Platz in eine Lösung für alle. Wie eine kleine freundliche Geste von einem Waldbewohner zum nächsten weiterwandern kann, erzählt Fina Waldfee und der Gruß, der durch den Wald wanderte.
Dass eine schwierige Aufgabe leichter wird, wenn niemand allein helfen muss, erlebt außerdem Kalle Krümel mit seinen Freunden in der Weihnachtsbäckerei.
Inhalte dieser Geschichte

Gemeinsam über Rücksicht und Hilfsbereitschaft sprechen
Märlos Fragen nach der Geschichte
Märlo ist der kleine Märchenwichtel, der euch durch unsere Geschichten begleitet. Nach Daras Abenteuer möchte er mit euch über Teilen, Rücksicht und gemeinsames Helfen sprechen. Sprecht miteinander darüber:
- Warum gab Dara ihren warmen Platz an das kalte Ei ab?
- Wie schafften es die vier Freunde, dass am Ende niemand mehr frieren musste?
- Hast du schon einmal etwas geteilt oder jemandem geholfen, obwohl du es selbst gern behalten hättest?
