Vampir Vito und der Schluckauf um Mitternacht
Vito will den Mitternachtsball seiner Vampirfamilie eröffnen. Doch nach einem Glas Blubberlimonade verwandelt ihn jeder Schluckauf in eine Fledermaus. Eine lustige Vampirgeschichte für Kinder ab 4 Jahren – zu Halloween und für alle, die über kleine Missgeschicke lachen mögen.

Eine lustige Vampirgeschichte zum Vorlesen
Ein Schluckauf bringt Burg Flatterfels durcheinander
Vito hatte seinen großen Auftritt genau geübt. Drei Schritte nach vorn. Den Umhang ausbreiten. Die Zähne zeigen. „Willkommen zum Mitternachtsball!“
Dabei wollte er möglichst geheimnisvoll klingen. Ungefähr wie sein Großvater, wenn der fragte: „Wer hat den letzten Pudding gegessen?“
Heute durfte Vito zum ersten Mal das Fest seiner großen Vampirfamilie eröffnen. Im Hof von Burg Flatterfels hingen Kürbislaternen, zwischen den Türmen flatterten Papierfledermäuse, und in der Küche stand eine Torte, die beinahe so hoch war wie Vito selbst.
Er hatte sie bereits dreimal angesehen. Nur angesehen. Na gut. An einer Stelle fehlte ein winziges bisschen Sahne.
„Noch nicht naschen“, sagte Oma Zilla, ohne sich umzudrehen. Vito zog den Finger aus dem Mund. „Ich habe bloß geprüft, ob sie hält.“
„Und?“
„Hält.“
Oma Zilla stellte eine große Karaffe auf den Tisch. Darin blubberte rote Limonade so heftig, dass die Blasen bis an den Rand ploppten.
„Neues Rezept“, sagte sie zufrieden. „Ich habe die Blubberblasen verdoppelt.“
Vom vielen Üben war Vitos Hals ganz trocken. Er schenkte sich ein Glas ein und trank es in einem Zug leer. Dann machte er:
„Hicks!“
Puff.
Wo eben noch ein kleiner Vampir gestanden hatte, flatterte plötzlich eine kleine Fledermaus. Der Umhang segelte hinterher.
Direkt auf die Torte. Eine Weile war nur das leise Blubbern der Limonade zu hören.
Dann hob Oma Zilla den Umhang mit zwei Fingern hoch.
„Die Sahne“, stellte sie fest, „hält tatsächlich.“
Vito landete auf dem Küchentisch.
„Das war keine Absicht!“, piepste er. Als Fledermaus hatte er eine Stimme wie eine quietschende Schranktür.
„Hicks!“
Puff.
Jetzt saß Vito wieder als Vampir auf dem Tisch. Mit einem Fuß in der Schüssel für die Schokoladenstreusel. Er zog ihn langsam heraus.
Oma Zilla betrachtete den Fuß. Vito betrachtete den Fuß.
„Die Schokostreusel sparen wir uns dieses Jahr“, bemerkten beide nickend.

Normalerweise konnte Vito selbst bestimmen, wann er sich verwandelte. Er musste nur die Schultern hochziehen, die Nase kräuseln und an Flügel denken.
Jetzt reichte das kleinste „Hicks“.
Vom Hof konnte man mehrere Stimmen hören. Die ersten Gäste kamen an.
„Das geht bestimmt wieder vorbei“, sagte Oma Zilla und stellte die Streuselschüssel außer Reichweite.
„Vor Mitternacht?“
„Hoffentlich.“
Vito fand, dass hoffentlich ein ausgesprochen unpraktisches Wort war. Er schlich zur Hintertreppe.
„Nur bis nach der Begrüßung“, flüsterte er seinem Bauch zu. „Danach darfst du hicksen, so viel du willst.“
Sein Bauch antwortete sofort.
„Hicks!“
Puff.
Vito flatterte in eine Schürze, die an einem Haken hing. Für einen Moment sah er aus wie ein schwebendes Gespenst. Dann fand er den Ausgang und stieß mit dem Kopf gegen ein Knie. Vor ihm stand ein kleines Werwolfmädchen mit spitzen Ohren und einem buschigen Schwanz. Im Fell auf ihrer Schulter hing eine gelbe Socke.
„Du hast eine Socke im Fell“, piepste Vito.
„Ich weiß“, sagte das Werwolfmädchen. „Ich bin vorhin durch die Wäscheleine gerannt.“
„Warum machst du sie nicht ab?“
„Sie gehört mir nicht. Ich suche noch den Besitzer.“
„Hicks!“
Puff.
Vito stand plötzlich vor ihr.
Sie machte einen Schritt zurück. „Oh. Hallo.“
„Ich bin Vito.“
„Juna. Warst du eben auch schon Vito?“
Er nickte.
„Praktisch“, sagte Juna. „Dann muss ich mir nur einen Namen merken.“
Aus dem Hof rief eine tiefe Stimme: „Vito? Wo steckt unser Gastgeber?“
Großvater. Vito wich hinter die Tür zurück. Juna schaute um die Ecke. „Deine Schuhe sieht man noch.“
Er rückte weiter.
„Und jetzt deinen Ellbogen.“
„Hicks!“
Puff.
„Jetzt nicht mehr“, sagte Juna. Großvater trug ein Tablett mit Kürbiskeksen vorbei und ging weiter in den Hof. Als Fledermaus war Verstecken immerhin einfacher. Vito flog nach oben und hängte sich unter den Türbogen, mitten zwischen die schwarzen Papierfledermäuse.
Er faltete die Flügel zusammen. Wunderbar. Hier würde ihn niemand entdecken. Unten blieb Großvater stehen und schaute nach oben. Vito schaute möglichst papierartig zurück.
„Zilla!“, rief Großvater. „Eine von den Fledermäusen hängt schief!“
„Dann lass sie schief hängen!“, kam es aus der Küche.
Vito atmete auf.
„Hicks!“
Puff.
Plötzlich hing ein kleiner Vampir zwischen den Papierfledermäusen. Nur noch mit beiden Händen an der Schnur. Links riss ein Stück Klebeband ab. Rechts machte es rrrtsch.
Vito setzte die Füße auf den Boden, und die gesamte Girlande verfing sich in seinen Haaren.
Juna musste lachen.
„Du hast da was im Haar.“
„Ich weiß.“
„Ziemlich viel sogar.“
Sie hielt die Schnur fest, während Vito sich herausdrehte. Erst der Ärmel, dann ein Knopf, zuletzt das linke Ohr.
Vito setzte sich auf die unterste Treppenstufe. Vom vielen Flattern war sein Hals schon wieder trocken. Auf der Fensterbank stand ein Glas rote Limonade. Er trank sie in einem Schluck herunter.
„Hicks!“
Puff.
Vito flatterte einmal um Junas Kopf.
„Hicks!“
Puff.
Da saß er wieder neben ihr. Vito betrachtete das leere Glas in seiner Hand.
„Juna.“
„Hm?“
„In der Küche habe ich auch so ein Glas getrunken. Und direkt danach ging es los.“
Juna schaute von dem Glas zu ihm und wieder zurück. Beide drehten sich zum Hof. Dort stand Großvater mit der großen Karaffe und schenkte den Gästen ein. Reihe für Reihe. Jedes Glas randvoll mit rot blubbernder Limonade.
„Oh nein“, sagte Vito.
Und dann rannte er los.
Er rannte quer durch den Flur, stolperte über die Girlande und platzte mitten in den Hof hinein. Hundert Gesichter drehten sich zu ihm um.
Zum ersten Mal an diesem Abend versteckte sich Vito nicht.
„NICHT TRINKEN!“, rief er. „Die Limonade ist —“

Doch der erste Schlag der Turmuhr verschluckte seinen Ruf.
BOMM.
„Mitternacht!“, rief Großvater fröhlich und hob sein Glas. „Auf unseren Gastgeber!“
Und alle tranken.
Vito wollte noch etwas sagen.
„Hicks!“
Puff. Sein Umhang sank auf die Hofsteine.
Einen Moment lang war es ganz still im Hof.
Dann machte es:
„Hicks.“
„Hicks!“
„Hicks, hicks, HICKS!“
PUFF. PUFF. PUFF-PUFF-PUFF.
Wo eben noch hundert Gäste gestanden hatten, flatterte jetzt eine ganze Wolke kleiner Fledermäuse durcheinander.
Eine hing an Großvaters viel zu großer Brille.
Zwei stritten piepsend darüber, welcher Umhang wem gehörte.
Und aus der Torte ragten zwei kleine Füße.
Juna saß als Einzige noch auf der Treppe und hielt sich den Bauch vor Lachen.
Mitten im Hof stand Oma Zilla. Sie hielt ein Glas in der Hand. Darin war Wasser.
„Ich trinke abends nichts mit Blubberblasen“, sagte sie. „Das liegt mir schwer im Magen.“
Dann klatschte sie zweimal kräftig in die Hände.
„Alle mal herhören! Wer hicksen muss, landet bitte vorher!“
Vito flatterte auf den Rand der Torte und holte Luft. Er hatte seinen Auftritt wochenlang geübt. Drei Schritte nach vorn. Den Umhang ausbreiten. Die Zähne zeigen.
Davon ging jetzt nichts mehr. Also piepste er einfach mit seiner quietschenden Schranktürstimme über den ganzen Hof:
„WILLKOMMEN ZUM MITTERNACHTSBALL!“ Und hundert Fledermäuse piepsten zurück.

Später saß Vito wieder als Vampir neben Juna auf der Burgtreppe und aß Torte.
Rundherum verwandelten sich die meisten Vampirgäste zurück. Die meisten hatten rechtzeitig einen Stuhl gefunden. Nur eine Tante war im unbequemen Blumenkübel gelandet. Die Blubberlimo hatte langsam ihre Wirkung eingebüßt. Neben dem Schluckauf waren auch einige herzhafte Rülpser dafür verantwortlich.
„Das war das beste Mitternachtsfest meines Lebens“, sagte jemand. „Ja, wirklich mal etwas ganz anderes, mit richtig spontanen Abläufen“, bemerkte ein anderer.
Ein Gedanke zum Mitnehmen
Nicht alles klappt so, wie du es planst. Aber anders heißt nicht schlechter. Manchmal wird es sogar besser.
Inhalte dieser Geschichte

Gemeinsam über Missgeschicke und Überraschungen sprechen
Märlos Fragen nach der Geschichte
Märlo ist der kleine Märchenwichtel, der euch durch unsere Geschichten begleitet. Nach Vitos Mitternachtsball ist er neugierig auf eure Gedanken. Wenn ihr mögt, erzählt euch gegenseitig:
- Bei welcher Stelle musstest du am meisten lachen?
- Was hättest du Vito gesagt, als er sich verstecken wollte?
- Ist bei dir schon einmal etwas anders geworden als geplant – und trotzdem schön?

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Nach Vitos turbulentem Ball darf es auch einmal ums Staunen, Wahrnehmen und Innehalten gehen. „Sei achtsam, kleiner Löwe!“ versammelt 15 eigenständige Geschichten mit unterschiedlichen Figuren und 15 kurzen Achtsamkeitsübungen für Kinder ab 3 Jahren. Auf der Buchseite könnt ihr einen Blick hineinwerfen und eure Ausgabe auswählen.
