Zauberlehrling Elmo und die verirrte Kerze

Eine magische Gute-Nacht-Geschichte für Kinder ab 3 Jahren über einen unruhigen Zauberlehrling, misslungene Magie und die Kraft von Geduld und innerer Ruhe.

3–6 Jahre

Etwa 6–7 Minuten

Aus dem Buch: Diese Geschichte gehört zu „Kurze Gute-Nacht-Geschichten für Kinder ab 3 Jahren“.

Zauberlehrling Elmo blickt überrascht auf eine dampfende Tasse, die eigentlich eine Kerze sein sollte.

Eine Geschichte aus dem neuen Märchenwichtel-Buch

Eine Gute-Nacht-Geschichte über Geduld, innere Ruhe und einen kleinen Zauberer

„Plopp-Schling!“

Elmo starrt die Teetasse an, die eben noch eine Kerze war. Sie dampft ein bisschen. Es riecht nach Pfefferminze. „Das“, sagt er, „war nicht der Plan.“

Oben im Zauberturm, wo Elmo wohnt, ist es nachts nie ganz still. Die Gläser im Regal klimpern leise miteinander. Der Besen in der Ecke fegt im Schlaf manchmal ein kleines Stück. Und vor dem runden Fenster hängt der Himmel so voller Sterne, dass er aussieht wie ein Kleid aus purem Diamantenstaub.

Morgen früh ist Elmos allererste Prüfung. Eine Kerze anzünden. Mehr nicht.

Er zieht die Schublade auf. Darin liegen noch drei Kerzen. Leider muss für diesen Zauber immer eine neue Kerze aus der Magierschule verwendet werden. So sagt es die Prüfungsordnung.

„Drei Versuche“, sagt Elmo. Sein Magen macht einen kleinen Hüpfer.

Er stellt die erste Kerze auf den Tisch. Dann wippt er auf den Zehenspitzen. Dann klopft er mit dem Zauberstab gegen sein Bein. Dann wippt er wieder.

„Flammula, entzünde dich klein und fein!“

Er sagt es ein bisschen zu schnell. Und seine Hand wackelt ein bisschen zu sehr.

Der Funke springt aus dem Stab, macht einen Schlenker und verirrt sich quer durchs Zimmer, genau auf Elmos Zipfelmütze.

„Quaaak!“

Ein kleiner grüner Frosch hüpft ihm vom Kopf und verschwindet schnurstrack unterm Bett.

Sichtlich gestresst zieht Elmo die alte Schublade auf. „Noch zwei Kerzen übrig.“

Er stellt die nächste Kerze auf den Tisch. Tritt zwei Schritte zurück. Tritt wieder vor. Rückt die Kerze zurecht. Rückt sie noch einmal zurecht.

„Flammula, entzünde dich klein und fein!“ Diesmal trifft der Funke die Kerze sogar. Aber statt einer Flamme wächst mit einem hellen „Kling!“ eine runde Glaskugel um sie herum. Darin wirbeln tausend winzige Flöckchen durcheinander.

„Die Kerze brennt wieder nicht und stattdessen habe ich jetzt eine Schneekugel“, bemerkt Elmo enttäuscht. Er hält die Kugel hoch und schaut hinein. Er kann nichts erkennen. Alles wirbelt.

„Da ist irgendwas drin“, sagt er.

Er schüttelt die Kugel. Das hilft nicht. Er dreht sie um. Das hilft auch nicht. Er hält sie sich ganz nah vor die Nase und kneift die Augen zusammen, bis er schielt. Die Flöckchen wirbeln nur noch wilder.

Elmo setzt sich auf den Teppich, die Glaskugel vor sich. Und wartet. Am Anfang ist das furchtbar schwer. Sein Fuß will wippen. Seine Finger wollen trommeln. In seinem Kopf wirbelt es ungefähr genauso wie in der Kugel. Elmo atmet einmal tief ein. Und wieder aus. Draußen schiebt sich eine Wolke am Mond vorbei. Der magische Besen fegt im Hintergrund leise weiter und die Gläser im Regal klimpern ein Schlaflied.

In der Kugel fangen die Flöckchen an zu fallen. Langsam. Immer langsamer. Eins nach dem anderen legt sich unten auf den Boden, bis nur noch ein einziges herabtaumelt.

Zauberlehrling Elmo betrachtet eine Schneekugel, in der eine kleine Kerze ruhig brennt.
Elmo wartet geduldig, bis sich die wirbelnden Schneeflocken legen und die kleine Flamme sichtbar wird.

Da sieht Elmo endlich, was die ganze Zeit darin war. Ganz unten in der Glaskugel steht eine winzige Kerze. Und sie brennt. Ruhig und golden, mit einer Flamme, die nicht größer ist als ein Reiskorn. Elmo sagt eine ganze Weile gar nichts.

„Es hat funktioniert“, flüstert er schließlich. „Die ganze Zeit schon. Ich konnte es nur nie abwarten.“

✦

Elmo holt die letzte Kerze aus der Schublade und stellt sie auf den Nachttisch. Diesmal wippt er nicht. Diesmal rückt er nichts zurecht. Er steht einfach nur da, atmet und beobachtet die Kerze.

„Flammula“, sagt er, ganz langsam, „entzünde dich klein und fein.“

Der Funke springt aus dem Stab. Er macht keinen Schlenker. Er fliegt schnurgerade auf den Docht zu. Und die Kerze brennt.

Zauberlehrling Elmo entzündet mit einem ruhigen goldenen Zauberfunken die letzte Kerze.
Ganz ruhig führt Elmo seinen Zauberstab – und diesmal findet der Funke genau sein Ziel.

„Geschafft“, flüstert Elmo.

Er schaut der kleinen Flamme noch eine Weile beim Brennen zu und merkt, wie seine ganze Anspannung verflogen ist. Er pustet die Kerze aus und krabbelt zufrieden ins Bett. Der Frosch unterm Bett quakt noch einen letzten Gutenacht-Gruß. Die Teetasse auf dem Tisch dampft längst nicht mehr und die Gläser im Regal kommen auch zur Ruhe.

Elmo schließt entspannt die Augen und wird mit jedem Atemzug ein bisschen schläfriger. Elmos Unruhe ist verflogen, und er gleitet in einen tiefen, erholsamen Schlaf.

Ein Gedanke zum Mitnehmen

Wenn in deinem Kopf alles wild durcheinanderwirbelt, dann setz dich einen Moment hin, atme langsam und gleichmäßig, bis du zur Ruhe kommst. Schlaf heute Nacht so ruhig wie die Flöckchen in der Schneekugel. Gute Nacht.

Inhalte dieser Geschichte

Thema:
Märlo denkt über Elmos Schneekugel nach und lädt zum Gespräch über Geduld und innere Ruhe ein.

Gemeinsam über Geduld und innere Ruhe sprechen

Märlos Fragen nach der Geschichte

Märlo ist der kleine Märchenwichtel, der euch durch unsere Geschichten begleitet. Nach Elmos nächtlicher Zauberprüfung möchte er mit euch darüber sprechen, wie sich Unruhe anfühlt und was beim Warten helfen kann:

  • Warum konnte Elmo die brennende Kerze erst erkennen, als die Schneeflocken zur Ruhe gekommen waren?
  • Woran merkst du, dass du ungeduldig oder ganz aufgeregt bist?
  • Was hilft dir am Abend dabei, langsam ruhiger und schläfriger zu werden?

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