Bo, der kleine Dachs und das Poltern unter dem Bett
Manchmal wird ein kleines Geräusch in der Nacht riesengroß – bis man gemeinsam genauer hinsieht.

Zum Anschauen und Anhören
Bo als bezaubernde Bildergeschichte
Macht es euch gemütlich und begleitet Bo und Tinka bei ihrer nächtlichen Suche: Was poltert nur unter Bos Bett?
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Eine Geschichte zum Vorlesen
Eine Gute-Nacht-Geschichte über Angst und
mutige kleine Schritte
POLTER-RUMMS! Bo saß kerzengerade in seinem Bett. Seine Schlafmütze hing über einem Auge und seine Vorderpfoten umklammerten die Decke. Da war es wieder. Krrr … Kuller … Klack! Das Geräusch kam direkt unter seinem Bett hervor.
Bo zog die Hinterpfoten ein. Ganz langsam. Falls dort unten etwas mit langen, kitzeligen Fingern wohnte, sollte es keine Dachszehe erwischen.
„Ich habe keine Angst“, flüsterte er. Sein Bauch glaubte ihm kein Wort. Der fühlte sich an wie ein Glas voll hüpfender Erbsen.
Tock, tock machte es plötzlich an der Tür.
Bo zuckte so heftig zusammen, dass seine Schlafmütze davonflog.
„Ich bin’s!“, rief eine Stimme. „Mach auf, bevor ich hier Wurzeln schlage.“ Es war Tinka, die Käferdame aus der Nachbarwurzel. Sie trug einen roten Mantel mit schwarzen Punkten und hielt eine Laterne, die kaum größer war als ein Samenkorn.
„Ich habe etwas poltern gehört“, sagte sie. „Warst du das?“
Bo schüttelte den Kopf und zeigte auf sein Bett.
Krrr … kuller … TOCK! Tinkas Fühler stellten sich auf. „Aha.“
„Was, wenn da ein Nachtknurrer wohnt?“, fragte Bo.
„Dann wohnt er sehr staubig.“ Tinka pustete unter das Bett. Eine kleine Wolke quoll hervor. Beide mussten niesen.
„Hatschi!“ machte Bo.
„Pfitschi!“ machte Tinka, und ihre winzige Laterne wackelte.
Dann wurde es still. Bo lauschte. Vielleicht war das Ding erschrocken. Vielleicht hielt es jetzt ebenfalls die Nase zu. Vielleicht wartete es nur darauf, dass Bo wieder ins Bett stieg.
„Wir könnten bis morgen früh wach bleiben“, schlug er vor.
Tinka gähnte so breit, dass ihr fast die Laterne aus der Hand fiel. „Ich halte durch. Ungefähr sieben Minuten.“
✦
Bo betrachtete den dunklen Spalt unter dem Bett. Dieses Bett hatte er selbst gebaut. Aus Birkenholz, mit Papas Hammer, und die Decke darauf hatte Oma gestrickt. Das hier war seine Höhle. Sein Zimmer. Sein Bett. Und irgendwas kullerte einfach darunter herum, als würde es dort wohnen.
„Wir schauen nach“, sagte Bo. Seine Stimme war leiser als geplant. „Aber nicht auf einmal.“
Er schob zuerst nur eine Pfote aus der Decke. Dann setzte er beide Hinterpfoten auf den Boden. Zuletzt nahm er die große Eichellampe vom Nachttisch.
„Drei Schritte“, sagte Bo. „Mehr muss ich noch nicht schaffen.“
Tinka kletterte auf seine Schulter. „Sehr gut. Von hier oben sehe ich tapfer aus.“

Gemeinsam gingen sie zum Fußende. Der Weg war nur vier Dachsschritte lang. Heute fühlte er sich länger an als der Weg durch den gesamten Wald. KRRR … KULLER … Bo blieb stehen.
„Das war näher“, wisperte Tinka.
„Wir sind auch näher“, flüsterte Bo zurück.
Er hob die Eichellampe. Das Licht kroch über den Boden und unter das Bett. Dort blitzten plötzlich zwei runde Augen auf. Bo sprang zurück. Tinka landete kopfüber in seinem Fell.
Die Augen bewegten sich nicht.
Bo atmete einmal tief durch. Dann leuchtete er noch einmal hin. Die Augen gehörten seinem alten Stoffhasen. Es waren nur zwei glänzende Knöpfe.
„Der sieht wirklich verdächtig aus“, sagte Tinka und kletterte zurück auf seine Schulter.
Da rollte etwas hinter dem Hasen hervor. Kuller, kuller, kuller – KLONK!
Eine dicke Haselnuss stieß gegen einen kleinen Blechbecher. Der Becher kippte um. POLTER-RUMMS!
Bo und Tinka starrten einander an.
„Der Nachtknurrer ist eine Nuss“, sagte Bo.
„Eine ausgesprochen runde“, ergänzte Tinka.
Doch warum rollte sie ganz allein?
☾
Bo legte sich auf den Bauch. Jetzt, da das Poltern ein Gesicht bekommen hatte – oder wenigstens eine Schale –, konnte er genauer hinsehen. Hinter dem Bett entdeckte er einen schmalen Spalt zwischen zwei Wurzeln. Bei jedem Windstoß pfiff Luft hindurch und schubste die Haselnuss an.
Bo griff unter das Bett. Seine Pfote zitterte noch ein wenig, aber sie griff trotzdem weiter. Er holte erst den Stoffhasen hervor, dann den Becher und schließlich die Haselnuss.
Tinka stopfte ein Büschel Moos in den Wurzelspalt. „So. Jetzt hat der Wind Feierabend.“
Bo stellte den Becher auf sein Regal und setzte die Haselnuss hinein. Darüber hängte er ein Schild aus Birkenrinde. Tinka malte mit Beerensaft einen krummen Kreis darauf.
„Was bedeutet das?“, fragte Bo.
„Parkplatz für polternde Nüsse.“
Bo lachte. Die hüpfenden Erbsen in seinem Bauch waren verschwunden.
Wenig später lag er wieder unter seiner Decke, den Stoffhasen im Arm. Tinka hatte es sich auf einem weichen Blatt in der anderen Ecke des Baus bequem gemacht.
Plipp, plopp machte der Regen draußen. Bo öffnete noch einmal die Augen. Er lauschte kurz. Dann lächelte er.
„Nur Tropfen auf den Blättern“, murmelte er.
Im Becher schlief die Haselnuss. Unter dem Bett lag nur ein wenig Staub. Und Bo zog die Decke bis an seine Nase, während der Regen leise gegen die Wurzeln klopfte.

Ein Gedanke zum Mitnehmen
Mut fühlt sich nicht immer groß und stark an. Manchmal zittert eine Pfote noch ein wenig – und macht trotzdem den nächsten kleinen Schritt. Wenn dir ein Geräusch unheimlich vorkommt, darfst du Licht machen, genau hinhören und jemanden bitten, gemeinsam mit dir nachzusehen.
Gute Nacht, du kleiner Spurenfinder. Schlaf schön.
Inhalte dieser Geschichte

Gemeinsam mutig hinschauen
Märlos Fragen nach der Geschichte
Märlo ist der kleine Märchenwichtel, der euch durch unsere Geschichten begleitet. Diesmal hat er drei Fragen zum gemeinsamen Weiterdenken: Manche Geräusche klingen im Dunkeln viel größer, als sie wirklich sind. Sprecht nach der Geschichte gemeinsam darüber:
- Was glaubte Bo zuerst, unter seinem Bett zu hören?
- Welche kleinen Schritte halfen ihm beim Nachsehen?
- Welche Geräusche hörst du manchmal am Abend – und woher könnten sie kommen?

Noch mehr gemeinsame Vorlesezeit
Kurze Gute-Nacht-Geschichten
42 kurze Einschlafgeschichten und kleine Traumreisen begleiten Babys und Kleinkinder liebevoll durch das Abendritual – bewusst ruhig erzählt und ideal zum gemeinsamen Vorlesen.
