Lenis Kostüm-Chaos

Kurz vor dem Halloweenfest kleben Lenis Kostüme aneinander. Aus dem Missgeschick werden ein Schnurrdrache, eine Zauberkatze und ein Geisterdino – und der Spaß beginnt.

3–6 Jahre

Etwa 6–7 Minuten

Jonte mit Drachenflügeln und Katzenohren, Marla als Zauberkatze, Theo mit Hut über den Augen und Leni als Geisterdino.

Eine lustige Halloweengeschichte zum Vorlesen

Eine lustige Halloweengeschichte für Kinder über Fantasie und überraschende Ideen

Auf Lenis Liste standen vier Sachen, und alle vier waren abgehakt. Sie hielt den Zettel ein Stück von sich weg und nickte zufrieden. Vier fertige Kostüme waren schließlich eine ziemlich große Sache, besonders wenn man dabei nur einmal den eigenen Ärmel am Tisch festgeklebt hatte. Das war gestern gewesen und zählte heute natürlich nicht mehr.

Gespenst: Laken. Fertig.
Drache: Flügel und Schwanz. Fertig.
Katze: Schwanz und Ohren. Fertig.
Zauberer: Sternenumhang und Hut. Fertig.

Vier Nachmittage lang hatten sie gebastelt. Jetzt hing alles zum Trocknen auf der Wäscheleine im Gemeindesaal, und in zehn Minuten ging das Halloweenfest los.

„Nichts anfassen“, sagte Leni. „Der Kleber ist noch nass.“

„Ich fass doch gar nichts an“, sagte Theo und fasste den Drachenschwanz an.

Die Wäscheleine hing an zwei Haken. Einer davon hatte schon den ganzen Nachmittag gewackelt.

Jetzt gab er auf.

PLOPP.

Die Leine sauste herunter, und sämtliche Kostüme landeten auf einem Haufen.

Vier Kinder standen davor und schauten.

Leni, Theo, Marla und Jonte betrachten die heruntergefallenen Halloweenkostüme auf dem Boden des Gemeindesaals.
Die Wäscheleine ist heruntergefallen – und die frisch gebastelten Kostüme kleben aneinander.

„Das war der Haken“, sagte Theo.

„Das war deine Hand“, sagte Marla.

Leni ging in die Knie. „Nicht schlimm. Wir sortieren das.“

Sie griff nach den Katzenohren.

Die Katzenohren kamen mit. Und die Drachenflügel auch.

Leni zog vorsichtig.

RATSCH.

„Stopp!“, rief Marla.

Der nasse Kleber hatte ganze Arbeit geleistet. Die Ohren klebten an den Flügeln. Der Ringelschwanz der Katze klebte am Sternenumhang. Und der Drachenschwanz klebte am Gespensterlaken.

Leni setzte sich auf den Boden.

Von draußen rief Opa Knut: „Kinder! Ich zünde die Kürbisse an! Gleich geht’s los!“

„Das schaffen wir nie“, sagte Leni.

„Wir könnten es ohne Kostüme machen“, schlug Theo vor.

Alle schauten ihn an.

„War nur eine Idee.“

Jonte war der Kleinste von ihnen und sagte meistens gar nichts.

Jetzt kramte er in dem Haufen herum, zog etwas Grünes heraus und schlüpfte hinein.

Dann drehte er sich um.

Er trug die Drachenflügel. Und obendrauf, mitten auf dem Kopf, die Katzenohren. Sie hingen noch an einem grünen Papierstreifen fest, der von den Flügeln abgerissen war.

„Ich bin ein Schnurrdrache“, sagte Jonte.

Es war eine Sekunde lang still.

Dann prustete Theo los. Marla kippte fast um vor Lachen. Und Jonte stellte sich auf die Zehenspitzen, schlug mit den Flügeln und machte dabei „Miau“, was zu einem Drachen ungefähr so gut passte wie eine Winterjacke im Hochsommer.

„Was frisst ein Schnurrdrache denn?“, fragte Marla.

Jonte überlegte.

„Fisch. Aber gegrillt.“

Danach ging es schnell. Marla fischte den Katzenschwanz heraus, an dem der Sternenumhang hing, und band sich alles zusammen um.

„Ich bin eine Zauberkatze. Ich kann Mäuse herbeizaubern, aber nur unsichtbare.“

Theo zog sich den Zaubererhut über die Ohren. Beim Hin- und Hergezerr hatte sich die Klebenaht gelöst. Der Hut rutschte ihm über das komplette Gesicht.

„Und ich bin ein Zauberer, der nichts sieht“, sagte er. „Pass auf, Marla.“

„Warum?“

„Weil ich jetzt losgehe.“

Theo ging los. Er lief gegen einen Stuhl, entschuldigte sich bei dem Stuhl und stolperte danach gegen einen Tisch.

Nur Leni stand noch etwas unentschlossen da.

In ihren Händen hielt sie das Gespensterlaken. Hinten dran klebte der Drachenschwanz, und er ließ sich nicht abmachen, ohne dass ein Loch ins Laken kam.

„Ein Gespenst hat keinen Schwanz“, sagte Leni.

„Deins schon“, sagte Jonte.

„Aber auf meiner Liste steht Gespenst.“

Jonte schaute auf die Liste. Dann schaute er Leni an.

„Dann schreib was anderes drauf.“

Leni zog das Laken über den Kopf.

Der Drachenschwanz wackelte hinter ihr her, wenn sie ging. Und wenn sie sich umdrehte, schwang er herum wie ein Eishockeyschläger.

„Was bist du?“, fragte Marla.

Leni drehte sich einmal im Kreis und schaute dem Schwanz hinterher.

„Ich bin ein Geisterdino“, sagte sie. „Ich kann durch Wände gehen. Aber der Schwanz bleibt immer hängen.“

Alle mussten lachen.

Draußen brannten inzwischen alle Kürbisse. Als die vier in den Hof kamen, blieben die anderen Kinder stehen.

„Was seid ihr denn?“

„Schnurrdrache“, sagte Jonte.

„Zauberkatze“, sagte Marla.

„Zauberer, der nichts sieht“, sagte Theo, der gerade gegen einen Blumenkübel gelaufen war.

„Geisterdino“, sagte Leni und wackelte mit dem Schwanz.

Ein Mädchen in einem Hexenkostüm schaute an sich herunter.

„Ich bin nur eine Hexe.“

„Nimm meinen Hut“, sagte Theo sofort. „Dann bist du eine Doppelhut-Hexe.“

„Und was kann die?“

„Doppelt so viel zaubern. Logisch.“

Theo reicht einem Mädchen im Hexenkostüm seinen Zaubererhut. Die anderen Kinder und Opa Knut schauen im beleuchteten Hof zu.
Eine Doppelhut-Hexe? Beim Halloweenfest werden die Kostümideen immer ungewöhnlicher.

Zehn Minuten später rannte der halbe Hof durcheinander und tauschte Kostümteile. Es gab eine Fledermaus mit Krone, ein Skelett mit Schmetterlingsflügeln und einen Kürbis, der behauptete, er sei ein Kürbisritter.

Opa Knut schaute von der Bank aus zu und sagte, so ein Halloweenfest habe er noch nie erlebt.

Spät am Abend, als alle Kürbislaternen längst erloschen waren, saß Leni auf der Treppe und holte ihre Liste aus der Tasche.

Sie strich die vier Wörter durch.

Dann drehte sie den Zettel um und malte auf die Rückseite einen Schnurrdrachen, eine Zauberkatze, einen Zauberer mit Hut über den Augen und ein Gespenst mit Dinoschwanz.

Den Zettel hängte sie am nächsten Tag an die Tür vom Gemeindesaal. Und ein Jahr später stand oben auf der Einladung zum Halloweenfest ein neuer Satz:

Kostüme bitte selbst erfinden.

Ein Gedanke zum Mitnehmen

Manchmal fängt der größte Spaß genau da an, wo der Plan aufhört.

Lenis Fest beginnt mit einem Missgeschick. Gemeinsam entdecken die Kinder, dass aus einem geänderten Plan neue Ideen entstehen können. Wie ihr Geschichten mit Raum für eigene Gedanken vorlesen könnt, erfahrt ihr im Beitrag Kindergeschichten vorlesen. Noch mehr Abenteuer mit Kürbissen, Hexen und Gespenstern findet ihr bei unseren Halloweengeschichten für Kinder.

Inhalte dieser Geschichte

Thema:
Märlo, der Märchenwichtel, lädt zum gemeinsamen Gespräch über Lenis Kostüm-Chaos ein.

Gemeinsam lachen und eigene Kostüme erfinden

Märlos Fragen nach der Geschichte

Märlo ist der kleine Märchenwichtel, der euch durch unsere Geschichten begleitet. Nach Lenis Kostüm-Chaos ist er neugierig auf eure Ideen. Wenn ihr mögt, erzählt euch gegenseitig:

  • Welches neue Kostüm fandest du am lustigsten?
  • Welche zwei Kostüme würdest du miteinander verbinden – und wie würde deine neue Figur heißen?
  • Was könnte deine erfundene Figur besonders gut?

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